Leica M10 Erfahrungsbericht

Mein erstes Portraitshooting mit der Leica M10

Endlich war es also soweit – mein erstes Shooting rein mit der Leica M10.
Dies ist mein Leica M10 Erfahrungsbericht.

Zusammen mit Laura zog ich los, um an zwei Locations die wir uns vorher ausgesucht hatten, ein paar Portraits anzufertigen. Solange Laura in der Heimat ist und nicht ihr Unwesen in Hongkong oder sonst wo auf der Welt treibt, muss ich das schon ausnutzen 🙂
Mit dabei war dieses mal auch mein Kumpel Lukas, der uns einfach mal ein bisschen über die Schultern schauen wollte und mir gleich als helfende Hand nützlich wurde.

Was haben wir uns dieses mal auf´s Moodboard gepinnt?
Sonnenuntergang/Gegenlicht, Feuerzeug, Streichhölzer und Jeansjacke!

Location

Die gewöhnlichsten Locations geben oftmals mehr her als man denkt.

Bei der Location hielten wir uns in der nächstgelegenen Stadt auf. Zuallererst wollte ich an einer mir bereits bekannten Tankstelle, welche einen gewissen Look liefert den ich einbauen wollte, shooten. Die untergehende Sonne und das daraus resultierende Licht, welches an dem Abend den Himmel flutete, ließen uns spontan die Location wechseln.
Da ich mich in der Gegend recht gut auskenne, wusste ich sofort wo wir hin mussten um das ganze einzufangen.

Equipment

Wie schon im Titel des Beitrages zu erkennen, war hier zum ersten mal nur die Leica M10 mit dem 35mm 1.4 II Voigtländer Nokton Classic M.C. im Einsatz.

Nachdem ich also beim Homeshooting mit Laura die M10 das erste mal für ein paar Fotos verwendete, hauptsächlich aber die Leica Q2 einsetzte, ließ ich dieses mal alle anderen Kameras zuhause.

Form & Größe - Handling

Die Faszination Leica hat glaube ich schon immer auch sehr viel mit dem äußeren dieser Schmuckstücke zu tun.
Die M10 zum ersten mal in der Hand ist schon ein derber Unterschied zu allem was ich bisher so in den Händen hielt. Ergonomisch geformter Griff o.ä. – Fehlanzeige.
Ein bisschen kannte ich das ganze ja schon von der Q und der Q2 – hier jedoch hat man auf den ersten Blick einen noch größeren klobigen Klotz vor sich liegen.
Sie liegt aber erstaunlich gut in der Hand und hat meiner Meinung nach die perfekte Größe für eine Kamera – beim Gewicht hält sie sich im Mittelfeld, verglichen mit meinen anderen Kameras (Sony a7iii & Leica Q2).
Die Perfektionierung der Griffigkeit wäre denke ich noch eine Daumenstütze – diese ist aber leider noch nicht in meinem Besitz.
Fakt ist – Sie sieht einfach verdammt gut aus und macht Eindruck!

leica m10 messucherkamera
leica m10 messucherkamera

Fokussierung

Da ich den Models bei Shootings immer einen sehr großen Spielraum beim Posing gebe und allgemein einen sehr lockeren und freien Ablauf forciere, hatte ich es mit meinen bisherigen Kameras immer recht einfach.

Bisher arbeitete ich hauptsächlich entweder mit der Sony a7iii oder einer Leica Q2 – die Sony´s im Doppelpack auf Hochzeiten und die Leica Q2 für freie Projekte.
Schneller (Augen-)Autofokus und unzählige Einstellungsmöglichkeiten des Fokussystems – bei der Sony wohl noch ein Stück mehr vorhanden als wie bei der Q2 – aber auch diese hat ordentlich Potenzial.

Bei der Leica M10 handelt es sich ja um eine Messsucherkamera. Eine kurze Definition für diejenigen, die jetzt nicht wissen was hier abgeht:

Die M10 (sowie die meisten Leica M-Kameras) haben einen Messsucher mit Leuchtrahmen, bei dem das Entfernungsmesserbild in den Sucher eingespiegelt wird.
Zum Scharfstellen wird ein „zweites“ Bild in einem kleinen, mittig liegenden Messfleck in Deckung mit dem Motiv gebracht. Ein eingespiegelter Leuchtrahmen zeigt das Bildfeld des angesetzten Objektivs.

Diese Art Fokussierung war für mich etwas komplett neues. Im Gegensatz zu vielen Kollegen war ich nie wirklich mit alten Linsen oder gar alten Systemen unterwegs. Auch in der analogen Fotografie war ich bisher nicht tätig.

Ich bekam die M10 und war also sofort am üben und rumprobieren, was die optimale herangehensweise an den manuellen Fokus/Messsucher wäre.
Nach ein paar Stunden Übung bekam ich langsam den „Dreh“ raus und fühlte mich sicher genug für die ersten Shootings.

Da Laura und ich uns durch unsere vielen bisherigen Shootings sehr gut kennen und wissen wie der jeweils andere so tickt, war Sie hierfür das perfekte Model.

Shooting mit Laura im Jahr 2018

Wir begannen mit recht einfachen Posings bei denen mir Laura die nötige Zeit gab, richtig zu fokussieren und an den Einstellungen zu feilen.

Durch mein vorheriges üben kam ich zu zwei „herangehensweisen“. Ich habe mir angewöhnt, beim fokussieren den Anschlag des Fokusrings immer erst auf unendlich zu drehen, dies als Nullpunkt zu nehmen und von hier aus in eine Drehrichtung recht zügig meinen Fokus zu finden – das geht nach ein paar Mal üben echt sehr schnell. Die zweite Brücke ist, dass der Fokuspunkt bei ca. 1,5m Entfernung liegt, wenn ich die Fokussierhilfe unten mittig ausrichte – das kann wenn es schnell gehen muss auch eine kleine Hilfestellung sein. (bezogen auf das Voigtländer Nokton 35mm)
Da ich mich beim fotografieren trotzdem immer sehr viel bewege und die Kamera in unterschiedlichste Winkel bringe, brauchte ich natürlich noch ein wenig Gespür für die Entfernung des Models. Bereits nach 15-20 Minuten funktionierte das ganze aber schneller als ich mir es Anfangs vorstellte.

Trotzdem heißt es hier noch üben, üben, üben!

Einfache, fixe Posings erleichterten mir den Einstieg ins Shooting.

Geschwindigkeit

Die Geschwindigkeit der M10 ist außerordentlich gut, verglichen mit dem was ich bisher von Leica gewohnt war. Es kann schon mal vorkommen das bei meinen Shootings der Auslöser glüht. Ich mache lieber 20 Bilder zu viel als wie einen bestimmten Moment verpasst zu haben – die M arbeitete hier genau wie ich es brauchte.
Bilder werden sehr flott weggespeichert und auch eine schnelle Bildkontrolle usw. stellt keine Probleme beim Ablauf dar.

Iso & Dynamikumfang

Laut Aussagen vom Hersteller wurde die ISO-Leistung zum Vorgängermodell deutlich verbessert. Da ich bei diesem Shooting aber nicht über einen ISO-Wert von 800 hinausging, kann ich dazu nicht viel sagen.
Ein tiefergehender Testbericht hierzu und Vergleich mit meinen anderen Kameras folgt 😉

Der Dynamikumfang ist, wie z.B. auch bei der Q/Q2 richtig stark. Beim Shooting stand die Sonne sehr tief und brannte ordentlich runter, d.h. ich hatte es mit grellen Lichtern aber auch sehr tiefen Schatten zu tun – in der Nachbearbeitung haben die RAW-Dateien hier einiges an Reserven ausgepackt.

Bedienung & Performance

Ok, was kann ich hierzu nach einem Shooting sagen?

Ein Regler für Verschlusszeit, ein Rad für die Belichtungskorrektur und ein ISO-Wahlrad – ja, dieses ISO-Wahlrad. Wenn es etwas gibt was mir an der M10 überhaupt nicht gefällt dann dieses umständlich zu handhabende Stück Metall.
Will man den ISO ändern, muss man erstmal dieses Rad nach oben ziehen, ISO-Wert wählen und dann wieder einrasten lassen – sowas könnte man meiner Meinung nach einfacher und besser lösen. Ein schneller Workflow sieht anders aus.

leica m10 messucherkamera
Regler für ISO, Verschlusszeit und Belichtungskorrektur.

Die Tasten auf der Rückseite neben dem Display beschränken sich auf LiveView, Bildwiedergabe und das Menü. Rechts neben dem Display befindet sich ein Steuerkreuz mit Wahltaste. Minimalismus Pur!
Was ich hier vermisse, ist eine Funktionstaste für den Weißabgleich – aber gut, damit kann ich leben.
Über den Menü-Knopf komme ich sofort in ein „Favoriten“-Menü und bei einem zweiten drücken dieses Menü-Buttons ins Hauptmenü.
Alle anderen Einstellungen, egal an was ihr jetzt gerade denkt – sucht sie im Menü 😉
Dieses Menü bin ich von der Q und Q2 ja schon gewohnt – übersichtlich, klar strukturiert und auf keinen Fall zu viel.
Wie bereits weiter oben erwähnt führt einen die M flott und ohne große Ladezeiten durchs Menü und führt jeglichen Befehl schnell aus. Auch ein schnelles Blättern durch die Bildkontrolle bringt die M nicht ins schwitzen – das kenne ich z.B. von der Q/Q2 anders 😉

leica m10 messucherkamera
Rückansicht - Aufs wesentliche reduzierte Bedienelemente.

Beim üben und rumspielen mit der Kamera musste ich feststellen, dass der Akku beim verwenden des Live-Views ziemlich schnell in die Knie geht. Die M liefert im Live-View ein gut agierendes Focus-Peaking mit variabler Ansichtsgröße/Zoom ins Bild. Beim Shooting mit Laura habe ich möglichst auf den Live-View verzichtet – nach zwei Stunden Shooting und 328 angefertigten Bildern fehlten der Akku-Anzeige zwei Striche von fünf. Ich werde mir hier also aufjedenfall noch einen Ersatzakku zulegen.

Nachbearbeitung & Look

Die M10 liefert mit ihren 24MP sehr erträgliche Dateigrößen – mit ca. 30mb ist man dabei. Verglichen mit meiner Q2 (ca. 80mb / ja, klar, 47,3 Megapixel) und der Sony (ca. 50mb bei 24 Megapixel) sehr angenehm für die häusliche Festplatte!
Die Nachbearbeitung erfolgte ausschließlich in Adobe Lightroom CC.

Beim Farblook griff ich natürlich auf meine DGX Lightroom Presets zurück. Die DNG-Dateien harmonieren super mit meinen Presets, da ich diese durch die Q/Q2 ja schon in eine gewisse Richtung getrimmt habe 😉

Feeling & Ergebnisse

Nach diesem ersten Shooting mit der M10 und dem verfassen dieses Erfahrungsberichts hier muss ich sagen, dass ich jetzt erst so richtig Bock auf Shootings damit habe. Die Kamera gibt einem wirklich ein „anderes“, ja so nicht wirklich zu beschreibendes Gefühl. Ein Shooting mit der M läuft lange nicht so flott ab wie ich es von den Sonys oder Q2 gewohnt bin. Ein Shooting mit diesen Kameras endet schon oftmals in einem wilden klicken. Natürlich weil es diese Kameras hergeben, aber gerade das fasziniert mich. Laura meinte nach den ersten 10 Minuten fotografieren „boah Domi, das ist aber komisch, dauert ganz schön lange?!“
Ja klar! Ich muss ja erstmal richtig fokussieren – muss den ISO umständlich verstellen – den Weißabgleich im Menü suchen, umstellen – Testbild…ja, das dauert alles ein bisschen länger als wie bei den hochmodernen Maschinen!
Das ganze finde ich bringt einen aber auch eine ganz andere Art von „Fotos-machen“ näher. Man denkt viel mehr über jeden einzelnen Schritt nach und überlegt sich jeden dieser zwei Mal. Und ja, irgendwie ist es auch schon was besonderes dann ein gerade geschossenes Bild auf dem Display anzusehen und dem Model zu zeigen. Die Farben, der Look – natürlich spielt das Objektiv hier auch eine große Rolle – ich nenne es mal alles in allem Perfekt Imperfekt. Es muss nicht jedes Bild eine gestochene Schärfe wie z.B. bei der Q2 oder einer Sony gepaart mit einem Sigma-Art Objektiv liefern – trifft man nämlich aus der richtigen Entfernung im richtigen Licht auf Blende 1.4 mit dem Voigtländer den Fokus…das hat auch schon etwas Magisches! Natürlich weiß ich aber auch, dass gerade dieses Objektiv z.B. in Sachen chromatische Aberration oder Schärfe wahrlich nicht das beste ist und man schon abstriche machen muss – sollte mein Sparschwein irgendwann mal ein Leica Objektiv ausspucken – ich werde euch berichten 🙂

1/1000 Sek. bei f/2, ISO 400
1/2000 Sek. bei f/1.4, ISO 400
1/2000 Sek. bei f/1.4, ISO 400
1/4000 Sek. bei f/1.4, ISO 400
1/250 Sek. bei f/1.4, ISO 400
1/250 Sek. bei f/1.4, ISO 400
1/250 Sek. bei f/1.4, ISO 400

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